Wenn ein ganzes Leben voller Dinge zurückbleibt: 

Wie sich das Ausräumen eines Hauses nach einem Todesfall wirklich anfühlt

Kürzlich standen wir vor der Herausforderung, das Haus meiner verstorbenen Schwiegereltern auszuräumen.

Wenn man das so sagt, klingt es nach einer organisatorischen Aufgabe. Nach Möbeln, Kartons und einer langen Liste an To-Dos. Tatsächlich ist es aber viel mehr als das.

In den letzten zwei Jahren sind meine Schwiegereltern verstorben. Neben der Trauer bleibt die Aufgabe sich um das Haus mit all seinen Dingen zu kümmern. 
Nun ist es soweit und wir müssen räumen. 
Viele Hinterbliebene kennen diese Situation: Nach einem Todesfall müssen unzählige Entscheidungen getroffen werden und plötzlich steht man vor einem ganzen Leben voller Dinge.

Dabei geht es nicht nur darum, Sachen zu sortieren und zu entscheiden, was bleibt und was gehen darf. Es geht auch um Erinnerungen, um Verantwortung und manchmal um das Gefühl, einem ganzen Leben gerecht werden zu müssen.

Ein Beispiel dafür steht inzwischen bei uns im Abstellraum: ein altes Besteckset mit Goldrand.

Eigentlich gefällt es mir gar nicht. Wir haben zuhause längst ein gutes Besteck, sogar eines, das wir vor Jahren von meinen Schwiegereltern geschenkt bekommen haben. Rein praktisch betrachtet gab es also keinen Grund, dieses zusätzliche Besteck zu behalten.

Dann erzählte mein Mann, dass er als Kind immer genau dieses Besteck nehmen wollte, wenn er den Tisch deckte. Plötzlich war es nicht mehr einfach nur ein Besteckset, sondern eine Erinnerung an gemeinsame Familienessen und an seine Kindheit.

Genau das macht das Ausräumen eines Hauses nach einem Todesfall so herausfordernd. Viele Gegenstände sind längst nicht mehr das, was sie ursprünglich einmal waren. Sie stehen für Menschen, Geschichten und Momente. Und manchmal hängt an einem unscheinbaren Gegenstand mehr Gefühl als an einem wertvollen Möbelstück.

Warum das Ausräumen nach einem Todesfall so überfordernd sein kann

Dazu kommt, dass selten nur eine Person Entscheidungen trifft.

Da gibt es Nachbarn, Verwandte oder Bekannte, denen „das Herz blutet“, wenn etwas entsorgt wird. Gleichzeitig möchten sie die Dinge selbst nicht übernehmen. Da gibt es unterschiedliche Meinungen darüber, was aufgehoben werden sollte und was nicht. Und oft schwingt bei allen Beteiligten ein latentes schlechtes Gewissen mit.

Was mich an dieser Erfahrung besonders überrascht hat, ist die schiere Menge an Entscheidungen.

Bei jedem Gegenstand stellt sich eine neue Frage: 

  • Brauchen wir das? 
  • Haben wir Platz dafür? 
  • Möchten wir es wirklich behalten oder fühlen wir uns nur verpflichtet? 
  • Würde sich jemand anderer darüber freuen? 
  • Und darf man etwas weggeben, wenn es für die verstorbene Person einmal wichtig war?

Diese vielen kleinen Entscheidungen summieren sich irgendwann zu einer großen mentalen Belastung.

Bei meinem Mann zeigte sich das vor allem als Überforderung. Bei mir war es eher die Sorge, wohin mit all den Dingen, die wir tatsächlich behalten möchten. Gleichzeitig gab es aber auch Momente großer Dankbarkeit.

Meine Schwiegermutter hatte zum Beispiel alle wichtigen Dokumente, Passwörter und Unterlagen sorgfältig aufbewahrt. Das hat uns vieles erleichtert und war in dieser Situation ein echtes Geschenk.

Weniger hilfreich war, dass sie gefühlt jedes Blatt Papier aufgehoben hatte. So fanden wir uns irgendwann dabei wieder, jahrzehntealte Unterlagen durchzusehen und zu entscheiden, was wirklich noch gebraucht wird.

Auch das gehört zu einem Leben dazu.

5 Tipps für Hinterbliebene beim Ausräumen eines Hauses

Wenn du selbst gerade dabei bist, die Dinge Verstorbener zu sortieren oder einen Nachlass aufzulösen, können dir diese Gedanken vielleicht helfen.

1. Gib dir Zeit für schwierige Entscheidungen

Nicht alles muss sofort entschieden werden. Manche Gegenstände lösen starke Gefühle aus und dann ist es völlig in Ordnung, sie zunächst beiseitezulegen und später noch einmal anzusehen. Praktischer Tipp: Setz dir ein zeitliches Limit - ein Entscheidungstermin mit dir selbst (oder hol dir die Meinung eines anderen geschätzten Menschen dazu).

2. Praktische Überlegungen dürfen ihren Platz haben

Nur weil etwas einmal wichtig (oder einfach nur teuer) war, bedeutet das nicht automatisch, dass es heute einen Platz in deinem Zuhause bekommen muss. Platz, Zeit und Energie sind ebenfalls wichtige Faktoren.

3. Erinnerungen wohnen nicht nur in Dingen

Dieser Gedanke begleitet mich in den letzten Wochen besonders.

Erinnerungen können in Geschichten weiterleben, in gemeinsamen Ritualen, in Fotos oder in den Erzählungen, die wir über einen Menschen weitergeben. Nicht jede Erinnerung braucht einen Gegenstand als Stellvertreter.

Wichtig ist nicht, möglichst viel zu behalten. Wichtig ist, bewusst zu entscheiden.

4. Du musst nicht allen Erwartungen gerecht werden

Wenn mehrere Menschen beteiligt sind, gibt es oft viele Meinungen. Das ist verständlich. Trotzdem müssen am Ende diejenigen mit den Dingen leben, die sie übernehmen. Deshalb dürfen auch die eigenen Bedürfnisse und Grenzen berücksichtigt werden.

5. Gemischte Gefühle sind völlig normal

Trauer, Dankbarkeit, Erleichterung und Überforderung sind alles absolut berechtigte Gefühle in der Situation. Raum geben - Zulassen - Weitermachen.

Was mir diese Erfahrung über Erinnerungen und Dinge gezeigt hat

Das Schwierigste ist wohl nicht das Tragen der Kartons oder das Aussortieren der Schränke, sondern die Erkenntnis, dass man unmöglich jedem Gegenstand, jeder Erinnerung und jedem Wunsch gerecht werden kann.

Vielleicht geht es am Ende auch gar nicht darum, sondern darum, Entscheidungen mit Respekt zu treffen, ohne sich von jedem schlechten Gewissen leiten zu lassen. Und sich immer wieder daran zu erinnern, dass das Wesentliche eines Menschen nicht in seinen Dingen steckt.


Dich bewegt etwas zu diesem Thema? Ich freue mich über deine Nachricht!


Viele liebe ordentliche Grüße,
Deine Stefanie

Hol dir kostenlos:

5 simple Strategien für weniger Chaos

... die auch funktionieren, wenn du dir beim Loslassen echt schwer tust.


Komm raus aus der Gedankensackgasse!

* Du bekommst 5 hilfreiche Impulse zum Ordnung schaffen.  
* Nimm dir 10 Minuten Zeit für ein kostenloses Webinar und du wirst mit Sicherheit umdenken.  
* Diese Impulse helfen dir, dich leichter zu entscheiden ob du etwas behältst oder weggibst.

Melde dich für meinen Newsletter an und erhalte als Begrüßungsgeschenk das kostenloses Mini-Webinar "Ballast loslassen, Freiheit gewinnen".